Ort:
Hamburg, Polizeikommissariat 15 – Davidwache
Zeit: 20.3.2001 - gegen 6:30
Typischer Verhörraum. Grau und grün gestrichen, ein Tisch, 3 Stühle und der unvermeidliche Spiegel. Dahinter wahrscheinlich der zuständige Staatsanwalt, ein Kriminalpsychologe und weitere Kommissare, der Fall ist schließlich von Bedeutung.
Auf dem Tisch ein Mikrofon. Der Kommissar, Ende dreißig, gekleidet in feinem Zwirn, runde, randlose Brille, Dreitagebart im "eigentlich
wäre ich lieber Soziologe geworden" Gesicht (Fehlbesetzung, ist
aber ein guter Bekannter des Intendanten).
Kommissar (ungeduldig, kurz vor dem laut
werden): „Geben sie es doch endlich zu!“
Ich (gelangweilt): „Ich habe es doch schon mindestens 10 Mal zugegeben.“
Kommissar (überrascht): „Echt?“
Ich (gelangweilt): „Ja“
Kommissar (versucht Schärfe in seine Stimme zu legen): „Sie gegeben also zu, am Abend des 16.3.2011 gegen 19 Uhr eine Flasche
restsüße, eklige, klebrige Riesling Spätlese getrunken zu haben?“
Ich (verärgert): „Nein!“
Kommissar (überrascht): „Wie? Sie habe doch gerade selber gesagt …“
Ich (ihn unterbrechend): „Ich gebe ja zu, eine Flasche restsüße
Riesling Spätlese getrunken zu haben, aber die war weder eklig noch klebrig! Außerdem war das nicht die erste!“
Kommissar (angewidert): „Was, sie wollen andeuten, dass sie … „
Ich (trotzig): „Ja, genau das! Ich habe es schon duzende Mal getan! Und ich werde es immer wieder tun!“
Der Kommissar bricht unter der Ungeheuerlichkeit meines Geständnisses weinend zusammen und wird von zwei Polizisten untergehakt und raus geführt. Einige Minuten später betreten zwei weiß gekleidete Männer den Verhörraum. Sie legen mir eine merkwürdige Jacke an (die Ärmel sind hinten, der Verschluss auch). Man verbringt mich ins Klinikum Nord (Ochsenzoll).
Einige Tage später werde ich aufgrund eines Gutachtens der Herren J.J.Prüm, E. Müller und einer Dame die sich „Witwe Dr. Thanisch“ nennt, als ungefährlicher Irrer wieder freigelassen.
Klingt vielleicht etwas übertrieben, aber im Land der „egal was wir trinken, Hauptsache trocken muss es sein“- Mafia hat man es manchmal ziemlich schwer, sich zur
restsüßen Riesling Spätlese zu bekennen. Ich tue es seit Jahren und nehme die mitleidigen Blicke der echten Weinkenner gerne in Kauf.
Die Tatsache, dass der deutsche Weinkennermob einen weiten Bogen um die fruchtsüßen
Weine macht hält die Preise flach und sorgt dafür, dass in den Kellern der Winzer immer wieder auch
noch ältere Jahrgänge liegen.
Und so mache ich, wenn die Welt mal wieder schlecht zu mir war, und die Menschen böse, eine Riesling Spätlese auf und freue mich.
Für die 43. #weinrallye,
ausgerichtet von dem furchtlosen "Mittäter" Ralf Kaiser,
alias "Weinkaiser", durfte es, weil ich der Witwe für meine Befreiung aus dem Klinikum Nord sehr dankbar war, eine
2007 Berncasteler Docotor Riesling Spätlese
vom Weingut Wwe. Dr. Thanisch, Erben Thanisch, sein.
Wenn ihr wissen wollt wie der Wein schmeckt hat, trinkt ihn doch selber. Macht auch viel mehr Spaß, als meine komischen Beschreibungen zu lesen!
Nur so viel, ich fand ihn schweinelecker!

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